Antrag auf EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich

    wegen Tierquälereien in der Nutztierhaltung und bei der Schlachtung

    Seit mehreren Jahren dokumentiert der Tierschutz die grässlichsten Missstände in der österreichischen Tierhaltung und bei Tierschlachtungen. Obwohl die zuständigen Politiker informiert und bei den Behörden Anzeigen erstattet wurden und es zu Gerichtsverhandlungen kam, hat sich an den Tierquälereien kaum etwas geändert.
    Da die österreichischen Verantwortlichen in den letzten 2 Jahren nicht in der Lage waren, die Misshandlungen abzustellen, ersucht der "Dachverband der oö Tierschutzorganisationen" nunmehr die Europäische Kommision, gegen die Republik Österreich entsprechende Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten und die Tierhaltungsbetriebe und Schlachthäuser in Österreich von Brüssel aus so zu kontrollieren bzw. so lange Druck auf die Verantvortlichen auszuüben, bis die Tierquälereien abgestellt und Nutztiere in Österreich entsprechend der EU-Richtlinien vor Misshandlungen geschützt sind:
     
    An das Generalsekretariat der 
    EUROPÄISCHE KOMMISSION
    Rue de la Loi 200
    B-1049 Bruxelles/Wetstraat 200
    BELGIEN
     
    Beschwerde
    wegen Verletzung der Richtlinien 98/58/EG über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und 93/119/EG über den Schutz der Tiere zum Zeitpunkt des Schlachtens
     
    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Hiermit informieren wir Sie darüber, dass es bei Nutztierhaltung und Schlachtungen in Österreich zu schwersten Tierquälereien kommt. Diese Missstände wurden den zuständigen Politikern und Behörden angezeigt, die Medien haben immer wieder über den skandalösen Umgang mit den Nutztieren berichtet, aber an den Zuständen hat sich kaum etwas verändert.
    Um den Schutz der Tiere entsprechend der EU-Richtlinien zu verbessern, ersucht der Tierschutz-Dachverband die Europäische Kommission, EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich einzuleiten.
     
    Die Zustände in den Schlachtbetrieben und bei der Nutztierhaltung verstoßen gegen mehrere Richtlinien der EU-Kommission über Mindestanforderungen für den Schutz verschiedener Nutztiere:
     
    Insbesondere nicht vereinbar sind die Tierquälereien in der Nutztierhaltung in Österreich mit der Richtlinie 98/58/EG des Rates vom 20. Juli 1998 über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere (Amtsblatt nr. L221 vom 08/08/1998 S. 0023 - 0027)
    "Artikel 3
    Die Mitgliedstaaten treffen Vorkehrungen dahin gehend, dass der Eigentümer oder Halter alle geeigneten Maßnahmen trifft, um das Wohlergehen seiner Tiere zu gewährleisten und um sicherzustellen, dass den Tieren keine unnötigen Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden."
     
    Bezüglich der Situation der Schlachttiere in Österreich wird die Richtlinie 93/119/EG des Rates vom 22. Dezember 1993 über den Schutz der Tiere zum Zeitpunkt des Schlachtens oder Tötens gröblichst missachtet, wonach das Betäuben und Entbluten so zu erfolgen hat, dass Schmerzen, Leiden bzw. Aufregung zu vermeiden sind.
    Immer wieder wachen in Österreich Tiere während des Schlachtvorganges aus der Betäubung auf oder wurden erst gar nicht entsprechend dieser EU-Richtlinie betäubt. Bei sogenannten "Hausschlachtungen" werden Schweine in Österreich noch immer mit der Hacke erschlagen.
     
    Die Misssstände in Tierhaltung und Schlachtung entstehen einerseits deshalb, weil in Österreich Tierschutz Ländersache ist und die EU-Richtlinien unter 9-fachem administrativen Aufwand mühsamst und langwierig gesondert für jedes Bundesland in nationales Recht umgesetzt werden müssen; vor allem aber mangelt es an einer entsprechenden Kontrolle und Umsetzung der Tierschutzbestimmungen in den Betrieben. Teilweise sind die Nutztierhalter bzw. Schlächter und Treiber in den Schlachthöfen in Österreich über die Tierschutzbestimmungen nicht ausreichend informiert; die EU-Richtlinien zum Schutz der Tiere werden aber auch missachtet, um Kosten und Zeit zu sparen. Tierärzte, die den Tierschutz und die Kontrolle ernst nahmen, wurden von Schlachthausbetreibern gekündigt.
     
    Anzeigen wegen Tierquälerei wurden von der Staatsanwaltschaft zurückgelegt. In Fällen wo es doch zu einer Verhandlung kam, wurden die Tierquäler vom Richter unter Hinweis auf EU-Recht freigesprochen, der Staatsanwalt hat auf Berufung verzichtet, weil die EU-Richtlinien Übergangsbestimmungen bis 2013 für bauliche Maßnahmen vorsehen. Die EU-Richtlinien zum Schutz der Tiere wurden ignoriert und die Tierquälereien gehen weiter!
     
    Da die Verantwortlichen in Österreich in den letzten Jahren nicht fähig waren, die EU-Richtlinien umzusetzen und die Tierquälereien abzustellen, ersucht der Tierschutz-DV die EU-Kommission um verstärkte Kontrolle von Tierhaltungs- und Schlachtbetrieben in Österreich. Die Kommission möge sorgsam darüber wachen, dass die EU-Richtlinien zum Schutz der Tiere auch tatsächlich eingehalten werden! Damit in Österreich Politiker, Behörden, Richter und Staatsanwaltschaft Tierschutz endlich als eine wichtige Aufgabe realisieren, ersucht der Tierschutz-DV die Europäische Kommission entsprechende Vertragsverletzungsverfahren gemäß Artikel 169 EG-Vertrag gegen die Republik Österreich einzuleiten.
    Wir ersuchen Sie, unsere Beschwerde auf der Grundlage der einschlägigen Vorschriften des Gemeinschaftsrechts zu prüfen und uns über das Ergebnis dieser Prüfung sowie die weitere Behandlung unserer Beschwerde zu unterrichten.
     
    Dokumentation
    Damit sich die  Europäische Kommission eine Vorstellung darüber machen kann, wie unerträglich die Nutztiere in Österreich behandelt werden, sind Videoaufnahmen von Betrieben in Oberösterreich beigefügt, die zeigen, wie Tieren aufgrund der nicht artgerechten Haltung bei lebendigem Leib die Glieder abfaulen und wie am Fließband hängend die Tiere bei vollem Bewusstsein zu Fleisch verarbeitet werden. Über Tierquälereien in der konventionellen Landwirtschaft liegen dem Tierschutz Bild- und Videodokumentationen aus vielen Betrieben vor, die der EU-Kommission für ein Prüfverfahren zur Verfügung gestellt werden können. Ein über mehrerere Jahre besonders gut dokumentiertes Beispiel bietet der Schweinemast-"Bauernhof" Adolf Beckerle in Neukirchen an der Enknach, Bezirk Braunau, Oberösterreich:
    Im Februar 2001 konnte aufgedeckt werden, wie hier unter "Bauernhofgarantie" Tiere zu Tode gequält wurden: http://www.tierschutz.cc/bilder/fleischskandal/bauernhofgarantie.html 
    Einige Monate später wurden bei einer weiteren Recherche erneut schwere Tierquälereien dokumentiert: http://www.tierschutz.cc/bilder/tierhaltung/oberoesterreich.html 
    Hier ist zu sehen wie den Tieren bei lebendigem Leib die Glieder abfaulen. 
    Der Tierschutz erstattete Anzeige wegen Tierquälerei. Doch der Richter konnte sich bei der Verhandlung dem Vorwurf der Tierquälerei nicht anschließen. Der Staatsanwalt, vom Tierschutz zur Rede gestellt, warum er nicht Berufung gegen dieses skandalöse Urteil eingelegt habe, erklärte, er könne nicht auf einer Verurteilung bestehen, wenn die Behörde eine Frist von etwa 15 Jahren vorschreibe, bis die Stallungen entsprechend umgebaut seien. Die Tierquälereien dauerten an!
    Bilddokumente aus dem Schweinemast-KZ nach dem Gerichtsurteil: Jän/Feb 2002 http://www.tierschutz.cc/bilder/schweine/qual.html 
    Hier die aktuellen Bilder vom August 2002
    http://www.tierschutz.cc/bilder/schweine/august/2002.html 
    Ausführliche Berichte über diesen Schweinemastkonzentrationsbetrieb aus den letzten 2 Jahren finden sich auf: http://www.tierschutz.cc Dachverband, Aussendungen und Zeitungsberichte
     
    Bilder zur Schlachthausdokumentation http://www.tierschutz.cc/bilder/rinderschlachtung.html
    Video Schlachthausdokumentation http://www.tierschutz.cc/tiu/index-video.html 
     
    Freundliche Grüße
    Dr. Friedrich Landa 
    Dachverbandspräsident der oö Tierschutzorganisationen  Tel 0043 66 43 43 43 66   

    Zur Dokumentation der Nichteinhaltung von EU-Richtlinien in Österreich beigefügt:
    1)      Bilder und Aussendungen über die Zustände in der Nutztierhaltung in Österreich
    2)      Bilder und Aussendungen über Tierquälereien bei Schlachtungen in Österreich
    3)      Video über die Zustände in der Nutztierhaltung und in Schlachthöfen in Österreich


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