Tierschutzseminar bei Ethiklehrerausbildung

    Ethiklehrerausbildung mit Tierrechte-Seminar

    Seit drei Jahren läuft nunmehr die Ethiklehrerausbildung im Rahmen eines Schulversuches. Für Schüler der Oberstufe AHS /BHS, die dem Religionsunterricht nicht beiwohnen wollen, wird als Alternative ein Ethikunterricht angeboten. Als wichtiger Teil der umfassenden Ethiklehrerausbildung wurde am letzten Freitag im Bundesheim für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee das alljährliche eintägige Seminar zum Thema "Tierethik" abgehalten.

    Ethik umfasst auch den Umgang mit Tieren

    Dabei ging es um die Normen menschlichen Handelns sowie deren Rechtfertigung und praktische Anwendung, den Umgang mit Tieren betreffend. Bei der Vorstellungsrunde zeigte sich, wie ambivalent der Schutz der Tiere in jedem einzelnen Teilnehmer, aber auch in unserer Gesellschaft präsent ist. Fast jeder Mensch bezeichnet sich gerne als Tierfreund...

    Fleischkonsum verursacht Gewalt gegen Tiere

    ...und doch werden die Tiere in unserer Schlachthaus-Zivilisation bis aufs Blut ausgebeutet. Jeder, der Fleisch oder anderer tierische Produkte konsumiert, sollte sich bewusst sein, dass er Mitverursacher und damit mitverantwortlich ist für das Leid, das den Tieren in Tierhaltung und Schlachthäusern zugefügt wird.

    Tierschutzunterricht macht die Zusammenhänge bewusst
    Auf Einladung von Herrn Dr. Hans Schuster vom Pädagogischen Institut Salzburg referierte der für Oberösterreich und Salzburg zuständige Tierschutzlehrer Dr. Friedrich Landa über die Problematik und stellte - unter Verwendung von eindrücklichen Dias und Videos - die Arbeit des gemeinnützigen Vereines "Tierschutz im Unterricht" vor.
    Tiere sind leidensfähig, ähnlich wie wir

    Die Problematik "Tierethik" war für die meisten Teilnehmer ein eher neues Sachgebiet. Mit umso größerem Einsatz erörterten sie folglich die Frage, inwieweit eine vorurteilsfreie Ethik die Interessen der Tiere miteinzubeziehen hat. Schließlich gab es einen allgemeinen Konsens, dass in dem Maße, als Tiere empfindsam und leidensfähig zu erachten sind, ihre artspezifischen Bedürfnisse bei der Behandlung durch den Menschen berücksichtigt werden müssen.

    Teilnehmer fühlten sich betroffen

    Begründet auf die Verantwortung des Menschen für die ihm anvertrauten Tiere, ist ihnen ein möglichst artgerechtes Leben und Sterben ohne alle vermeidbare Tierquälerei zuzugestehen. Die ethisch relevante Frage, ob Tiere für den Genuss getötet werden dürfen, wenn das ganze Jahr über genügend gesunde und köstliche andere Lebensmittel zur Verfügung stehen, wollten sich einige Teilnehmer erst gar nicht stellen. Sie ahnten, dass eine konsequente Erörterung dieser Frage sie dazu bringen könnte, ihre Lebensgewohnheiten zu hinterfragen.

    Heftige Auseinandersetzung mit den unerträglichen Zuständen

    Am Nachmittag erarbeiteten die 25 Teilnehmer aus Thesenblättern der wichtigsten Publikationen der Tierrechtsbewegung Argumente für eine bessere Respektierung unserer Mitlebewesen. Es gab aber auch heftige Kritik an überzogen empfundenen Formulierungen und Forderungen verschiedener Tierrechtsphilosophen, durch die vor allem Religionspädagogen die einzigartige Stellung des Menschen gefährdet sahen:

    Veg*-Ernährung ist Evolutionsspitze

    Jene fleischfressenden Tiere, deren geistige Fähigkeiten sich so weit entwickelt haben, dass sie hinterfragen können, ob es ethisch vertretbar ist, andere Tiere für sich bestialisch töten zu lassen, um ihre Leichenteile als Leckerbissen oder Sonderangebote zu konsumieren, müssen in dem Augenblick da sie andere Arten von Tieren in ihre Ethik einbeziehen erkennen, dass sie sich wegen ihrer Ernährungsweise in Teufels Küche befinden.

    Ethisches Konsumverhalten

    Seminarteilnehmer werden zur Ergänzung ihres Unterrichts auch eine speziell ausgebildete Tierschutzlehrkraft an ihre Schule einladen. Das Samenkorn für eine gerechtere Behandlung der Tiere unter besonderer Beachtung der eigenen Konsumgewohnheiten soll durch den Tierschutzunterricht im ethischen Empfinden der Schüler verankert werden, um Mitgefühl für alle empfindsamen Wesen zu fördern. In diesem Sinne war der seit über 12 Jahren in ganz Österreich angebotene Tierschutzunterricht schon immer eine spezielle Form von Ethikunterricht.

    Dr. Friedrich Landa
    Tierschutz-Dachverbandspräsident
    +43 66 43 43 43 66


    zurück

    Nach oben