Auch im Schlachthof Salzburg brüllen Rinder beim Geschlachtetwerden

    Nachdem Bauern den Tierschutz darüber informiert haben, dass schwer verletzte Tiere im Raiffeisenschlachthof Salzburg leidvolle Stunden lang warten müssen, bis sie als letzte geschlachtet werden, hat Tierschutz-Dachverbandspräsident Dr. Landa mit dem hauptverantwortlichen Schlachthoftierarzt Dr. Bräuer und Geschäftsleiter Hellweger der Salzburger Vieh- und Fleisch-Vermarktungs GMbH Gespräche über die Missstände geführt.

    Schlachthof-Tierarzt Dr. Bräuer nickte wissend, als ihm der Fall von der Kuh mit dem gebrochenen Rückgrat bzw. Becken geschildert wurde. Er wusste Bescheid über das "Problem der Zeitverhältnisse", wie er sich elegant ausdrückte: Verletzte Tiere müssten separat geschlachtet werden.
    Ein Bauer hatte dem Tierschutz auch mitgeteilt, dass er in den Stunden seines Aufenthalts an der Betäubungsbox keinen Tierarzt gesehen hätte. Nach Angaben von Dr. Bräuer müsste, "ausgenommen von ein paar Minuten vielleicht, immer ein Tierarzt in der Schlachthalle anwesend sein."
    Dr. Bräuer versprach, noch am selben Tag neue Vorschriften für die bevorzugte Behandlung schwer verletzter Tiere herauszubringen, damit diese Tiere nicht leiden müssen, bis alle anderen Rinder vor ihnen geschlachtet sind. Er bat, künftig sofort telefonisch verständigt zu werden - er werde umgehend dafür sorgen, dass die ihm gemeldeten Tierquälereien abgestellt werden.
    Wieso müssen erst Bauern und Tierschützer über die Missstände Beschwerden vorbringen? Ist es den Schlachthoftierärzten nicht möglich, von sich aus für einen bestmöglichen Schutz der Tiere zu sorgen? Zur Forderung, Tierschutzorganisationen in die Kontrolle einzubinden, meinte Dr. Bräuer, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Tierschutz voll in die Überwachung integriert sei.

    Beim anschließenden Gespräch mit Geschäftsleiter Hellweger ging es folglich um die Frage, ob die Geschäftsleitung bereit sei, den Raiffeisen-Schlachthof vom Tierschutz prüfen zu lassen.
    Geschäftsleiter Hellweger meinte dazu, er habe erst vor 2 Wochen die Vet. Controll im Haus gehabt. (Durch unsere Schlachthof-Dokumentation ist allerdings aufgezeigt worden, dass die Vet. Controll nicht fähig ist, gröbste Missstände abzustellen.) Die Vet. Controll habe nahegelegt, eine stärkere pneumatische Schlachtschuss-Anlage anzuschaffen, was sich der Schlachthof gerne 20.000,-- Schilling kosten lasse. In Deutschland würden jetzt auch elektrische Betäubungszangen für Rinder getestet.
    Durch den Bolzenschuss ins Gehirn besteht die Gefahr, dass BSE-Risikomaterial über die Blutbahn in alle Fleischteile gelangt. Geschäftsleiter Hellweger konnte sich allerdings nicht vorstellen, wie mittels Elektrozangen Rinder zufriedenstellend zu betäuben seien. Die Rinder im Raiffeisen-Schlachthof Salzburg würden, seit der Rückenmarkszerstörer aufgrund der EU-Verordnung nicht mehr verwendet werden darf, nach dem Bolzenschuss zusätzlich noch elektrisch bei Betäubung gehalten. Um die Gefahr einer Verbreitung von BSE-Risikomaterial beim Zersägen in Rinderhälften zu verringern, habe der Schlachthof schon seit langem eine Luftdruck-Absaugung der Rückenmarksflüssigkeit eingeführt, die zwar nicht alles Risikomaterial entfernt, aber doch einen Großteil.

    Dr. Landa fragte an, ob es möglich sei, am Raiffeisen-Schlachthof Salzburg ein Video über fachgerechtes Schlachten zu drehen. Gerald Hellweger winkte ab: "Töten ist immer was Grausiges" meinte der Geschäftsleiter. Wir würden immer was finden, was nicht passt. Das sei bei einem so großen Schlachtbetrieb nicht zu verhindern. Hier lasse sich nichts Schönes filmen. Der Betrieb habe Fehlschusslisten eingeführt. Er schätze, dass es bei 250 Rindern pro Tag zu 7 bis 8 Fehlschüssen komme. Ein anderer Salzburger Schlachthaus-Veterinär erwähnte im Gespräch, dass ca. jedes zehnte Rind "verschossen" wird.
    Geschäftsleiter Hellweger von der Salzburger Vieh- und Fleisch-Vermarktungs GMbH berichtete, dass auch am Raiffeisen-Schlachthof Salzburg bei Tieren, die bereits am Förderband hängen und aufgeschnitten werden "Brüllen passiert". Das sei laut Hellweger "nicht aus zum Schließen" und deshalb könne nicht erwartet werden, dass die Geschäftsleitung die Erlaubnis für Dreharbeiten gibt.

    Bleibt zu klären, wie der Salzburger Agrarlandesrat Josef Eisl als Kommentar zu unserer Schlachthaus-Dokumentation in "Salzburg Heute" vom 21. März 2001 behaupten konnte: "Gott sei Dank findet sowas im Land Salzburg nicht statt."

    So wie Massentierhaltung schon vom System her Medikamentenmissbrauch und Tierquälerei mit sich bringt, lässt sich nicht verhindern, dass es bei Massentötungen am Fließband zu Gräuelszenen kommt. Deshalb hat der Tierschutz-Dachverband Anzeige, wegen dem dringenden Verdacht auf Tierquälerei, gegen alle Schlachthöfe Österreichs erstattet.

    Die ausländischen Schlächter, die (wie der Bauer festgestellt hat) "kein Wort Deutsch verstehen", können nicht für die Gräuel verantwortlich gemacht werden, die täglich in den Schlachthäusern an Tieren begangen werden.
    Wenn der Geschäftsleiter vom Raiffeisen-Schlachthof Salzburg unumwunden bestätigt, dass auch bei sorgfältigstem Arbeiten am Fließband passieren kann, dass Tiere aus der Betäubung aufwachen, gilt es bewusst zu machen:
    Wer Fleisch konsumiert, gibt damit Gewalt gegen Tiere in Auftrag.
    Wer nicht möchte, dass für seine Gaumenfreuden Tiere ausgebeutet und zu Tode gequält werden, kauft "Fleisch", "Wurst" und "Milch"produkte die auf rein pflanzlicher Basis hergestellt werden.

    Bilder aus dem Warteraum des Todes im Raiffeisen-Schlachthof Salzburg/Bergheim:











    Dr. Friedrich Landa
    Dachverband der oö.Tierschutzorganisationen
    066 43 43 43 66


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